Haubergswirtschaft ist immaterielles Kulturerbe Nordrhein-Westfalens!

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Auf dem Weg in Richtung immateriellem UNESCO-Weltkulturerbe hat die Siegerländer Haubergswirtschaft den ersten Schritt erreicht: sie gehört ab sofort zum immateriellen Kulturerbe des Landes Nordrhein-Westfalen. Das NRW-Kulturministerium übergab im Rahmen einer Feierstunde in Düsseldorf am 25. Oktober 2018 die Urkunde an eine Delegation aus dem Siegerland.

Hier finden Sie das Statement der Delegation, vorgetragen vom Vorsitzenden des FHHF, Herrn Ulrich Gießelmann:

"Statement anlässlich der Auszeichnungsveranstaltung für die „Haubergswirtschaft im Siegerland und in angrenzenden Regionen“.  (25.10.2018)

  • Vorab wollen wir uns bei dem Jurorenteam bedanken, das die Haubergswirtschaft im Siegerland anerkennend gewürdigt hat. Und natürlich für die Einladung zur heutigen Veranstaltung.
  • Ganz herzlichen Dank aber auch an Alle, die an der Antragsformulierung mitgewirkt haben. Angesichts der vielfältigen Facetten der Haubergswirtschaft, der jahrhundertealten Geschichte und der interessanten Aktionsmöglichkeiten in der heutigen Zeit, eine wahrhafte Mammutaufgabe.
  • Namentlich benenne ich die beiden Verfasser der fachlichen Begleitschreiben:
    • Prof. Dr. Hansjörg Küster, Leibnitz Uni Hannover
    • Dr. Hans Joachim Kraschewski, Philipps Uni Marburg
  • Vertretungsweise für die vielen Akteure sind heute anwesend:
    • Frau Jutta Capito, stellvertretende Landrätin, Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein. Die Kreisverwaltung hat uns mit Personal, insbesondere Frau Messling als externe Beraterin, Räumlichkeiten und natürlich belegten Brötchen tatkräftig unterstützt.
    • Herr Lothar Klein als Vertreter des antragstellenden Waldbauernverbandes NRW. Der Waldbauernverband ist rechts- und finanzberatende Einrichtung für die überwiegenden Waldgenossenschaften im Siegerland.
    • Herr Willi Brandl, Vorsteher der WG Siegen-Eisern. Mit Leib und Seele Hauberggenosse und Siegerländer Urgestein.
  • Zu den Initiatoren des Projektes gehören u.a.  Herr Volkmar Klein, MdB., Herr Christoph Ewers, Bürgermeister der Gemeinde Burbach, der verstorbene ehem. FALtr. Alfred Becker und ich, Ulrich Gießelmann als Vorsitzender des Förderverein historischer Hauberg e.V.
  • Nicht unerwähnt lassen will ich die Mitstreiter aus Heimat- und Umweltverbänden, Förster und Försterinnen aus der Landesforstverwaltung NRW und Vertreter der diversen Siegerländer Schulen.

Sie erkennen an der breitgefächerten Personenliste das große Interesse an unserem Projekt „Haubergswirtschaft im Siegerland und angrenzenden Regionen“. Genau so vielfältig waren die Arbeiten im Hauberg, die sich heute leider überwiegend auf das „Brennholzmachen“ beschränken. Umso wichtiger ist es, die weiteren traditionellen Arbeitsgänge zumindest anschaulich in kleinem Rahmen darzustellen. Die historischen Arbeiten wie: Schanzen binden, Lohe schälen, Roggen und Buchweizen einsäen und ernten, Kohlenmeilerbetrieb, stoßen auch überregional auf viel Interesse. Insbesondere die Grundschulen im Siegerland haben die Haubergswirtschaft in ihren Sachunterrichtsplan integriert.

Selbst nach hunderten von Jahren sind die Grundregeln der Haubergswirtschaft noch aktuell.

Die traditionelle Haubergsbewirtschaftung ging von einem Nutzungszyklus von max. 20 Jahren aus. Nach einer Vegetationsruhe von 20 Jahren wurde dieselbe Fläche wieder wald- und landwirtschaftlich genutzt. Und das über mehrere hundert Jahre ohne Ertragseinbußen.

Der heute so aktuelle Gedanke der Nachhaltigkeit war damals schon geboren, ohne den Begriff auszusprechen. Der überwiegende Teil des Waldes im Siegerland ist genossenschaftlich in den Wald- oder Hauberggenossenschaften organisiert. Die Hauberggenossen sind nicht Eigentümer von realen Waldflächen, sondern besitzen jeweils Anteile an den ca. 200 Genossenschaften.

Maßgebliche Regelungen für die Hauberggenossenschaften entstammen der Haubergsordnung von 1834 und sind in das Gemeinschaftswaldgesetz von 1975 übertragen worden. Seitdem gibt es keine wesentlichen substanziellen Änderungen.

(Die tiefe Verbundenheit der Siegerländer in ihren traditionellen Hauberg zeigt folgendes Beispiel: Die zeitliche Einordnung eines besonderen Ereignisses erfolgte nicht über die Jahreszahl, sondern wo zum Ereigniszeitpunkt der Hauberg gemacht wurde.)

Die vielfältigen Arbeiten im historischen Hauberg sind aus der Not geboren. Auf relativ kleiner Fläche wurde eine Vielzahl von Erzeugnissen geerntet, die zum Leben und Überleben beitrugen. Durch die zyklische Bewirtschaftung war eine kontinuierliche Versorgung gesichert.

Der Bildungsort Hauberg vermittelt heute eine lebende Tradition und interessante Abläufe in der Natur.

Vergangenheit hat Zukunft"

Förderverein Historischer Hauberg Fellinghausen e.V. ·
Ulrich Gießelmann (Vorsitzender) · Landstraße 101 · 57223 Kreuztal-Fellinghausen · Telefon: 02732 1882